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Powernapping oder die Kunst des Mittagsschlafs

Manager, Wissenschaftler und Politiker tun es, doch bevorzugt heimlich: einen Mittagsschlaf halten. Dabei haben sie prominente Befürworter: Konrad Adenauer oder sein "Enkel" Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Jacques Chirac und sogar Margaret Thatcher, die sich immerhin auf  Winston Churchill beziehen konnte. Albert Einstein, Victor Hugo und Thomas Mann schliefen tagsüber, ebenso wie  Johannes Brahms und Salvador Dali. Auch die meisten US-Präsidenten bis auf den derzeitigen – aus was für Gründen auch immer - waren bekennende Mittagsschläfer.

Wissenschaftlich konnten Zulley und Campbell 1985 erstmals belegen, dass der Mittagsschlaf zu unserem biologischen Programm gehört und nicht nur eine überflüssige Gewohnheit ist. Das brachte das Thema endlich in die öffentliche Diskussion. Dennoch blendet unser moderner Alltag den Tagschlaf schlichtweg aus. Das war einmal ganz anders. Nicht nur in alten Liedern wird der Mittagsschlaf besungen, und auf vielen Gemälden ist er verewigt. Auch bei uns, zumindest in ländlicher Umgebung gibt man sich heutzutage noch der Mittagsruhe genüsslich hin. Es war die Industrialisierung, die dem Mittagsschlaf den Garaus bereitete. Der Athener Psychiater Constantin Soldatos stellte für Griechenland bedauernd fest, dass die Leute mittags seltener schlafen, je weiter die Industrialisierung fortschreitet. Allerdings die Industrie allein kann es nicht gewesen sein: In dem High-Tech-Land Japan steht man dem Tagschlaf sehr viel wohlwollender gegenüber als bei uns. Und dort wurden inzwischen auch wieder „nap-shops“ eingerichtet. In der Volksrepublik China hat der Mittagsschlaf - auf Chinesisch Xeu Xi - sogar den Rang eines Grundrechts.

Warum mittags schlafen? Der Mensch ist mittags physisch und psychisch weniger leistungsfähig, die Körpertemperatur ist niedriger und er schläft schnell ein. Zwar ist dies abhängig von der Art der Tätigkeit, aber die Arbeit um diese Zeit verläuft langsamer, ist ineffizienter und mit mehr Fehlern behaftet. Zitat eines Firmenchefs: „Ich hätte mittags des Fließband abschalten können, so viele Fehler wurden um diese Zeit gemacht“.

Und was ist der Vorteil eines Tagschlafs? Es ist eine Sache nachzuweisen, daß der Mittagsschlaf zu unserem biologischen Programm gehört und eine ganz andere, ob er nachweislich zu etwas nützt. Frage also: überbrückt er nur eine leistungsarme Zeit oder steigert er die Leistung ?  Nun, er tut beides. Nach einem Nickerchen wird schneller reagiert, aufmerksamer und konzentrierter gearbeitet und die Betreffenden sind besser gelaunt als Kollegen ohne Mittagsschlaf, und zwar nachhaltig. Selbst dem Gedächtnis hilft ein Nickerchen auf die Sprünge: Danach konnte das Gelernte besser wiedergeben werden als bei Nichtschläfern. Eine neuer Studie aus Griechenland konnte zeigenZahlreiche Studien aus den USA, Japan und Europa belegen den zweifachen Nutzen eines solchen Kurzschlafes. Es ist gar nicht mehr die Frage, ob die Leistung gesteigert wird, sondern wie ein solcher Kurzschlaf in die Arbeitswelt eingeplant werden kann. Und inzwischen gestehen schon einige Fluglinien in USA und Europa ihren Piloten und dem Kabinenpersonal auf Langstreckenflügen abwechselnd "kontrollierte Nickerchen" zu. Aber auch manche Unternehmen denken allmählich um: IBM, Apple, Elektroriesen und  Erdölkonzerne erlauben Mittagsschläfchen, und selbst die französische Atomenergie-Kommission bietet ihren Mitarbeitern seit 1990 Ruheräume. Vielleicht gehören Liegesessel bald zur Bürogrundausstattung. In München hat BMW jetzt versuchsweise ein „Dormitorium“ eröffnet, einen Ruheraum mit der Möglichkeit zur Entspannung und zum Kurzschlaf. Denn schließlich hat Schlafen etwas mir Leistung zu tun und deswegen sprechen wir auch vom Powernapping. Schlaf als Grundlage von Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Wer will denn keine „ausgeschlafenen“ Mitarbeiter haben !

Wie sollte ein Tagschlaf gestaltet sein ?

Kurz. 10 – 30 Minuten reichen aus und für Profis sind die 10 Minuten das Optimum, Anfänger in der Kunst des Nickerchens brauchen etwas länger. Wer länger schläft, hat Probleme, anschließend wach zu werden, Schlaftrunkenheit nennt sich dieser Zustand. Daraus folgt auch, dass keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden müssen – nicht liegen, abdunkeln oder für Ruhe sorgen. Der Kopf sollte entspannt liegen, Augen zu und entspannen. Gerade letzteres muss und kann gelernt werden, abschalten innerhalb weniger Minuten. Das Aufwachen stellt sich von selber ein. Ein Trick: ein Kaffee vor dem Schläfchen. Koffein wirkt nämlich erst nach dreißig Minuten; man kann es deshalb als eine Art biologischen Wecker einsetzen und auf diese Weise auch noch die Schlaftrunkenheit vermeiden.

 

Prof. Dr. Jürgen Zulley